Ausnahmezustand

Bandbaz:

Ich liebe den Herbst!

Herbst ist anders als Sommer oder Winter. Er ist ein Kampf. Ein Kampf zwischen zwei unterschiedliche Stabilitäten.

Also Herbst ist Instabil. Ein Revolution. Und genau dafür liebe ich ihn.

(achtung: ich mag Winter mehr als Sommer. Just for your info in case of too much interpretation)

Anarchismus und Krawall

Rot und Schwarz in anarchistische Fahne haben für mich einige Bedeutungen: (es ist mir völlig egal ob sie die historische echte Bedeutungen entsprechen)

Rot ist die Kollektivität, Empathie, Solidarität, Selbstreflektion, kritisches Bewusstsein und Liebe

und Schwarz ist Revolutionäre Lust und Magie, Mut und die Leidenschaft. Kreativität und Spontanität. Energie und Kraft, was zu ändern, zu bewegen, und bei Bedarf zu zerstören.

Ich versuche immer mein Privatleben (Warum gibt es eigentlich so ein Wort? Leben ist doch Leben. Was ist denn „Privat“leben? Oh Gott ich bin so deutsch geworden!) Ja.. Ich versuche immer mein Privatleben Rot/Schwarz zu leben. Das macht mich glücklich. Und das gibt mir Kraft, diese Idee nicht nur Privat zu leben sondern auch in meinem sozialen Umfeld zu verteilen und verbreiten. Leider ist in meinem sozialen Umfeld nur zu wenig Raum für Rot! (obwohl die alle Zecken sind wie ich. Aber die sind meistens irgendwie auch anders!) Individualismus hat eine lange Geschichte in Europa und hat sehr tief in der deutsche Gesellschaft platz genommen. Generationenlange Kapitalismus und liberale Demokratie haben eine schöne Gefängnis wie ein fünfstern Hotel geschafft, in der Menschen in ihre Wohlfühlzellen frei, sicher, und getrennt leben.

In meinem Umfeld geht es noch! Ist zwar schwierig aber es geht. Aber ein bisschen weiter draußen.. auf der Arbeit.. auf der Straßen in Stadtzentrum.. Katastrophe! gar kein Platz für Rot.

Selbst in meinem linken Freund*innenkreis vergesse ich manchmal, dass die Selbstverständlichkeit von Kollektivität (ich bin halt so aufgewachsen) für viele Freund*innen gar nicht so Selbstverständlich ist sondern eine dauerhafte innere Kampf mit sich. Eine Herausforderung. Sie wissen es zwar zu schätzen. Aber Hotelzellen zu verlassen ist auch nicht so einfach.

Zum Glück war für mich nur eine Zelle in so ne dreistern Hotel reserviert. (zwei Stern im Krieg verloren.) Ich fand es unfair und wollte in fünfstern Hotel einzuziehen. Also habe meine Sachen gepackt und bin los gegangen. Die haben mir aber keine echte Zelle gegeben, wie ich das in den Werbungen gesehen hatte. Nur eine alte geschimmelte. (Ja. Ich habe Migrationsvordergrund)

Also

Wenn für Rot kein Raum mehr bleibt, bleibt dann nur Schwarz. Und schwarz ist Militant.

Militant und Zerstörend. Zerstört alles um sich herum. So Wild und so Regellos. Denn Schwarz ohne Rot ist ein Paniksituation. Ein Ausnahmezustand.

Ich muss jetzt kurz eine Geschichte erzählen.

Ich erinnere mich an einer Situation in den Gebirgen nördlich von Teheran. Vor etwa 8 Jahre. Wir waren Zwei Menschen. Das Wetter ist schlecht geworden. Es gab hohe Blitzgefahr. Der Weg zur Hütte war lang. Wir haben uns entschieden, eine Höhle im Schnee zu graben, um die Nacht da drin zu überwinden. Es hat etwa eine Stunde gedauert bis den Raum groß genug für Zwei Menschen war. Wir gingen rein und haben die Eingang mit unsere Rücksäcke dicht gemacht, damit kein Wind und keine Kälter rein kommt. Wer das mal gemacht hat, weiß dass mensch nirgendwo besser schlafen kann als in einer Schneehöhle. Da gibt es absolute Ruhe. Egal was draußen passiert (Hoffentlich ist die Höhle nicht zufällig in einer Lawinengebiet!) es kommt kein Wind und keine Geräusche rein. Einfach absolute Stille. (ja ja, ein bisschen Nass und nervig… ja okay, gebe ich zu. Es ist einfach scheiße, kalt, eng und nass)

4Uhr Morgens war der Druck in meiner Blase großer als die Kälter draußen. Also ich musste raus.

Ich bin aus meiner Schlafsack raus gekommen, die Rücksäcke zur Seite geschoben, und gemerkt, dass die Eingang zu geschneit wurde. Eine Sekunde kurze Pause, um der nächste Schritt zu

überlegen. Ich habe erst versucht mit meine Hände die Schnee weg zu drucken und die Eingang wieder frei zu machen. Das hat nicht geklappt. Mit den Füßen. Auch nicht. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass ich nicht gut atmen kann. Es gab zu wenig Sauerstoff im Raum. Panik. Der Freund erzählte erst jetzt, dass er eine Blutkrankheit hat und zu wenig Sauerstoff für ihn sehr gefährlich ist. Also er sollte sich lieber gar nicht bewegen. Panik. Ich habe versucht mit Hände und Eispickel, so weit wie möglich, nach draußen zu graben. Nur Schnee. Atemnot. Panik.

Ab dieser Moment war alles was ich gemacht habe, nicht mehr überlegt, gedacht, logisch oder gar bewusst. Ich habe mein Kopf nach oben im Schnee gesteckt (wallah kein Metafa!) und versucht mit meinem Körper ein Weg nach draußen zu öffnen. Fast auf die Beine aufgestanden. Immer noch war überall nur Schnee. Wut! (Wie kann das bitte Wahr sein?! Das bedeutete, dass es innerhalb 6 Stunden über 1,7m geschneit hat.) Noch ein Schritt höher und Yes! Kopf ist raus! frische Luft, kalte Wind und eine schöne scheiß Wetter mit Sturm und Gewitter. Hatte mich noch nie in den Gebirgen so über Gewitter gefreut.

Ja. Paniksituation. Ausnahmezustand. Darüber wollte ich erzählen.

Wir haben ein Extra-Kraftquelle, der erst aufwacht, wenn rote Alarm eingeschaltet ist.

Die Entscheidung, mit dem Kopf ein Loch im Schnee zu bohren, habe ich nicht so komplett unbewusst und Plötzlich getroffen. Vorher lief ein Dialog/Auseinandersetzung in meinem Kopf zwischen der Erfahrung/Vernunft und der neuen Panik-Kraftquelle. Ich nenne die einfach so (wirklich nur einfach so!) Rot und Schwarz:

S: oh Gott oh Gott oh Gott wir haben kein Luft mehr.. Hilfeeeee.. mach schnell ein Loch im Dach.

R: nee nee bist du Verrückt? Wir wissen gar nicht wie viel es geschneit hat. Vielleicht kommt ganze Dach runter und wir werden begrabt.

S: druck dann mit dem Arsch in Schnee.. vielleicht wird ein Weg auf.

R: 😐

S: okay dumme Idee.. mach dann doch schnell was.. HILFEEEEE

R: ich glaub wir sollen einfach ruhig bleiben. So in voller Aktion brauchen wir viel zu viel Sauerstoff und das ist gerade nicht gut.

S: AAAAAAAAAAAA [Angst] halt einfach die Fresse und geh weg. Ich mach‘s jetzt alleine.

R: was machst du denn?

S: Raus schwimmen. Wie die Regenwürmer.

R: AAAAAAAAAAAA hast du alle? Du bist doch kein Schneewurm!

(S versucht R umzubringen und druckt sein Hals. R sagt aber zwischendurch die letzte Wörter)

R: aber… wenigstens… Regenjacke… Kapuze.. zu …

als ich aufgestanden war und immer noch nur Schnee gesehen habe:

R: [Frustration] Wir sterben! hier gibt’s sogar noch weniger Luft.

S: [Wut] Das kann nicht sein. Ich mache jetzt alles Kaputt.. Noch ein Schritt.

Und es hat funktioniert.

Panische Angst und Wut waren die rettende Quellen. Und natürlich auch die letzte vernünftige Wörter von erfahrene R. Ohne Angst wären wir da geblieben, mit der Hoffnung, dass jemand uns findet und rettet. (sehr unwahrscheinlich) und ohne Wut in der letzte Moment, wäre ich frustriert und hätte aufgegeben.

Ich glaube die Gesellschaft hat auch so ein Kraftquelle für Paniksituationen. Mit „Gesellschaft“ meine ich hier die gesamte Weltbevölkerung. Die Menschheit.

Was diese Kraft macht, ist nicht vorhersehbar. Auch nicht unbedingt beste und effektivste. Kann sogar schaden kosten. Aber Ich lebe jetzt noch!

Krawallmomente sind wichtige Momente.

Die Hotelzellen haben zwei Seiten. 1-Niemand darf in deiner Zelle. 2-Du darfst in niemanden Zelle.

Also keiner stört deine ruhe und dein Eigentum (wie auch immer es definiert wird). Und du störst keinen.

Nur in dem Moment, wenn ein Mensch einfach so wahllos und random ein Auto (nur Beispiel. Bitte nicht als Provokation verstehen) von einem anderen ohne irgendein Muster (z.B. teure Sportauto oder so) anzündet, wurde der einzige Regel dieses Gefängnis grundsätzlich und hundertprozentig überschritten.

ja.. nicht in einer sanft und solidarische Art und Weise. Aber immerhin!

Vielleicht spricht das nur von einem Ausnahmezustand und gesellschaftliches Panik in der Welt.

So Schafft Schwarz halt wieder Raum für Rot. Oder halt nicht!

Eigentlich sehe ich mehrere Zeichnen von Ausnahmezustand.

Terrorismus, Rückkehr von rechtsextremen während der mitteextremistische Apokalypse in globale Norden/Westen, Trump, Ryanair an sich (ohne Witz 😀 Wer hätte Parodie von Kapitalismus besser machen können? ich finde Ryanair einfach großartige Selbstparodie)

wie gesagt. Die Panik-kraftquelle ist halt so. bringt plötzlich ganz viele neue zerstörende Ideen. Meisten davon sind sogar tatsächlich dumme Ideen. (Loch im Dach zu bauen? mit dem Arsch in Schnee drucken?)

Wichtig ist: eine Rolle zu übernehmen.

Das kann vieles sein. Wut, Angst, die letzte Wörter von Vernunft und Erfahrung, alle sind wichtig.

Je nachdem in welcher Position ich bin und welche Ressourcen und Fähigkeiten ich habe, kann ich mir entscheiden was für eine Rolle ich am besten spielen würde.

Aber Fakt:

Die Welt ist in Panik und sagt laut: so geht es nicht mehr.

G20 Proteste in Hamburg

Lass uns erst wenigstens mit uns selbst ehrlich sein. Wir wussten alle was „Welcome to Hell“ bedeutet. Und wir wollten das.

Es ging nicht um irgendwelche politische Entscheidungen in Bundestag. Es ging um G20.

Um Verantwortung für Weltchaos. Um Verantwortung für Kriege mit über Millionen Opfer. Verantwortung für Staatliche Terror. Für auf der flucht ertrunkene Menschen. Für Postkolonialismus und weltweite Ausbeutung. Friedliche Tanzdemo mit vegane soli-Cupcakes wäre einfach zu lächerlich gewesen. Wäre eigentlich eine Beleidigung und gewaltvolle Provokation gewesen gegenüber Menschen, die wegen der Entscheidungen von diesen Politikern im Krieg oder Armut leben müssen. (genau wegen der selber Politik haben wir überhaupt die Möglichkeit, dagegen friedlich in Sicherheit und Reichtum zu protestieren und gegen Cupcakes zwei Euro zu spenden.)

Wir wollten, dass es eskaliert und es sollte auch eskalieren. Polizei war nur zu Dumm und hat uns geholfen, dass es schnell wie möglich eskaliert. (Und ja.. keine Frage.. Gewaltvoll. .. dafür wird sie ja sogar ausgebildet und bezahlt.)

Die Proteste an sich sehe ich als ein große Erfolg.

Alleine dieses Film „NoG20 vs. Beethoven“ ist ein Erfolg. Und es mach mir so eine große Freude.

Auch die Freund*innen, die nicht in Europa leben haben sich tierisch darüber gefreut. https://www.youtube.com/watch?v=5RLT2sBXNI0

Ich bedanke mich dafür bei alle anwesende Rioters. Insbesonderes bei Krawall-touristen, denn sie haben Dekonstruktion von der gewaltvolle Welt[un]ordnung verstanden. (auch wenn nicht mit einer politischen Bewusstsein verstanden)

Ich bin aber auch frustriert.

Die deutsche wohlhabende Linksautonome (in meiner Näher halt) sind so Alman, dass sie sogar Unordnung mit ordentlich vorgeschriebene Regeln schaffen wollen. Rewe ist Feind, Tante-emma ist

Freund. Mercedes ist böse, Golf ist okay. Banker und Politiker sind Schuld, weiße klein-hetero-mittelschicht-Familien die arbeiten, konsumieren, nur mit andere weiße zu tun haben und die Klappe halten (und mal auch vielleicht heimlich Rechts- und Linksextremismus gleichsetzen) sind okay. Es wird nicht gesehen, dass die deutsche Gesellschaft weltweit eine super privilegierte Gesellschaft ist.

Bei erste echte Unordnung – nämlich ein brennendes Auto, die mal kein Sportauto ist sondern einfach ein kleines Auto! – rasten sie aus und distanzieren sich sofort davon. (es hätte mein Auto sein können /Känguru)

Sie haben Angst davor, mit „Krawall-touristen“ in einem Topf gesteckt zu werden und dadurch ihre super schönes Bild in der Mitte-extremist-gesellschaft zu verlieren. (wer hat uns verraten?)

Oder sie sagen: Das ist aber sinnlose Wut und Krawall. Die arbeitende Kleinfamilien können nichts dafür, dass die Polizei die Demo nicht laufen lässt.

Aber ihr habt das Spiel falsch verstanden.

Der Wut ist nicht nur an Reiche, Banker und Politikern gerichtet. (das wäre allerdings strukturell Antisemit) sondern auch an Ignoranz und Mitte-extremismus.

Oder sie haben Angst, dass die Staat die Sache als Ausrede benutzen würde, um mehr Geld in Repression gegen Linke zu investieren.

Aber ganz ehrlich!

Wenn mensch die Macht der Staat grundsätzlich ablehnt, ist mensch grundsätzlich gegen der Staat. (oder habt ihr das nicht ernst gemeint?)

Wenn mensch grundsätzlich gegen der Staat ist, macht mensch auch ab und zu was gegen der Staat. (oder lass uns lieber warten. Vielleicht hat die Staat selber irgendwann kein Bock mehr?)

Wenn mensch was gegen der Staat macht, wehrt die Staat sich ab. Und zwar mit voller Kraft. (das ist aber jetzt echt scheiße! Das wollten wir in unsere Demokratie nicht!)

Also wenn die Staat in nachfolge von „Welcome to Hell“ mehr in Repression investiert, ist es ein Zeichen von Erfolg für Linksautonomen gewesen. Es heißt Linksautonomen haben geschafft der Staat zu zeigen, dass der Macht der Staat nicht unberechenbar ist.

Aber die, die sich jetzt über sinnlose Unordnung aufregen..

Ihr habt mich frustriert.

Ihr seid die Winterhasser*innen, die sich aber im Sommer beschweren, dass es zu heiß ist.

Ihr entscheidet euch zwischen Sommer und Winter ganz klar für Sommer. Wollt aber nur ein bisschen kühlerer Sommer, während Menschen in den anderen Orte auf der Erde von der Hitze brennen.

Ich freue mich aber auf Herbst. Und hole meine Klamotten raus. Das wird lange dauern.

(was nehme ich für Klamotten? Da fängt erst meine politische Ansichten an. Als eine kleine Empfehlung würde ich zum Beispiel folgendes nennen: kritisches Bewusstsein so wie Critical-Whiteness und kritische Männlichsein, Queerfeminismus, Vernetzungen, Communities, Empowerment, intersektional sehen und denken, usw.)

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